Forschungsgruppe RegelWerk
Das Projekt RegelWerk
Welche Regeln unterstützen ein erfolgreiches Studium? RegelWerk untersucht die Bedeutung von Zulassungskriterien sowie Beratungs- und Prüfungsregeln für Studienverläufe und Studienerfolg.
Im Mittelpunkt steht die Verbindlichkeit dieser Regeln: Welche Rechte und Pflichten entstehen für Studierende und Hochschulen? Wie wirken sich unterschiedliche Regelungen aus – und unterscheiden sich ihre Wirkungen zwischen Studiengängen und Studierendengruppen?
Studienabschlüsse im Vergleich Forschungsfragen Ziele Verbindlichkeit Regelungsbereiche Studienphasen Projektaufbau Daten und Methoden Steckbrief
Studienabschlüsse im Vergleich
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| Land oder Mittelwert | Anteil |
|---|---|
| Vereinigtes Königreich | 80,4 % |
| Türkei | 78,5 % |
| Irland | 74,3 % |
| Kanada | 68,6 % |
| Norwegen | 67,5 % |
| Schweiz | 65,8 % |
| Portugal | 64,6 % |
| Rumänien | 64,5 % |
| Litauen | 63,5 % |
| Island | 61,8 % |
| Finnland | 61,4 % |
| Spanien | 59,4 % |
| OECD-Mittel | 59,4 % |
| Neuseeland | 58,9 % |
| Australien | 58,4 % |
| EU25-Mittel | 57,9 % |
| Niederlande | 55,0 % |
| Schweden | 54,3 % |
| Slowenien | 54,2 % |
| Italien | 51,4 % |
| Frankreich | 45,7 % |
| Brasilien | 43,4 % |
| Österreich | 41,5 % |
| Chile | 37,9 % |
| Kolumbien¹ | 32,0 % |
| Deutschland† | 30 % |
Quellen und methodische Hinweise
Quellen: OECD, Education at a Glance 2025, Abbildung B5.1 und Tabelle B5.1 (Datendatei); Deutschland: Destatis, Studienverlaufsstatistik 2025, Pressemitteilung vom 17. Juli 2026.
OECD: Die Werte zeigen den Anteil ursprünglich in Vollzeit eingetretener Bachelor-Studienanfängerinnen und -anfänger, die bis zur theoretischen Studiendauer plus einem Jahr einen Abschluss auf einer beliebigen tertiären Bildungsstufe erreicht haben. Das Bezugsjahr für diesen Beobachtungszeitpunkt ist laut Tabellennote 2021. Für Kolumbien gilt ein abweichendes Bezugsjahr.
† Deutschland: 30 % der Bachelor-Studienanfängerinnen und -anfänger des Studienjahres 2020 schlossen innerhalb von acht Semestern ab. Der Zeitraum beginnt mit dem Fachstudium; individuelle Unterbrechungen werden nicht herausgerechnet.
Vergleichbarkeit: Kohorten, Beobachtungszeiträume und Abschlussdefinitionen unterscheiden sich. Der deutsche Wert ist deshalb nur eingeschränkt mit den OECD-Werten vergleichbar. Die übrigen Anteile sind keine Abbruchquoten: Spätere Abschlüsse sind möglich.
Forschungsfragen
- Welche konkreten Regelungen tragen zu mehr Verbindlichkeit im Studium bei?
- Wie beeinflusst die Verbindlichkeit von Zulassungs-, Beratungs- und Prüfungsregeln den Studienerfolg?
Ziele
RegelWerk erfasst institutionelle Regeln systematisch und untersucht ihre Bedeutung für den Zugang zum Studium, den Studienverlauf und den Studienabschluss. Betrachtet werden unter anderem Studiendauer, Studienabbruch, Abschlussnoten und die soziale Zusammensetzung der Studierenden.
Die Forschungsgruppe möchte wissenschaftlich fundierte Empfehlungen für Hochschulpolitik und Hochschulpraxis entwickeln. Dabei wird auch untersucht, ob Regeln unterschiedliche Wirkungen auf verschiedene Studierendengruppen haben. Eine stärkere Verbindlichkeit wird deshalb nicht grundsätzlich als vorteilhaft vorausgesetzt.
Verbindlichkeit
Studienregeln legen Rechte und Pflichten zwischen Studierenden und Hochschulen fest. Verbindlichkeit betrifft dabei beide Seiten: Hochschulen machen verlässliche Angebote und schaffen transparente Anforderungen; Studierende übernehmen Verpflichtungen für ihren Studienverlauf.
Beispiele sind verpflichtende Beratungsgespräche, Vorgaben zu Mindestleistungspunkten oder Regeln zur Anmeldung und Wiederholung von Prüfungen. Solche Regelungen können Orientierung geben, aber auch Handlungsspielräume begrenzen.
RegelWerk untersucht deshalb nicht nur, welche Regeln bestehen, sondern auch, wie sie mit Studienverläufen und Studienerfolg zusammenhängen und welche Unterschiede zwischen Studierendengruppen auftreten.
Regelungsbereiche
Zulassung
Kriterien und Verfahren, die den Zugang zu einem Studiengang bestimmen.
Beratung
Angebote und Verpflichtungen zur Unterstützung und Begleitung während des Studiums.
Prüfungen
Anforderungen und Verfahren, etwa zu Leistungspunkten, Prüfungsanmeldungen, Wiederholungsmöglichkeiten und Fristen.
Studienphasen
Vor Studienbeginn
- Bewerbung
- Zulassung
Während des Studiums
- Beratung
- Prüfungen
Studienausgang
- Abschluss
- Studienabbruch
Regeln können an unterschiedlichen Stellen des Bildungswegs wirken: bei der Zulassung, im ersten Studienjahr, im weiteren Studienverlauf und beim Studienabschluss. Auch Übergänge in ein weiterführendes Studium oder in den Beruf gehören zum konzeptionellen Rahmen.
Die erste Förderphase konzentriert sich auf Bachelor- und Staatsexamensstudiengänge. Eine mögliche zweite Förderphase sieht die Erweiterung auf Masterstudiengänge und die berufliche Entwicklung vor.
Projektaufbau
Regeln erfassen und vergleichbar machen
Zulassungs-, Beratungs- und Prüfungsregeln werden systematisch erfasst, theoretisch eingeordnet und durch Indikatoren vergleichbar gemacht. Textanalysen, Befragungen und Survey-Experimente ergänzen sich dabei.
Den Zugang zum Studium untersuchen
Untersucht wird, wie Zulassungskriterien und Studienregeln mit Bewerbungen, Auswahlentscheidungen und der Annahme von Studienplätzen zusammenhängen.
Studienverläufe und Studienerfolg analysieren
Im Mittelpunkt stehen die Bedeutung institutioneller Regeln für Studiendauer, Studienabbruch und Abschlussnoten sowie mögliche Unterschiede zwischen Studierendengruppen.
Erkenntnisse für die Praxis nutzbar machen
Ein geplantes Analyse-Tool soll Regeln und Vergleichsmöglichkeiten für Hochschulpolitik und Hochschulverwaltung anschaulich aufbereiten. Der Austausch mit der Praxis begleitet den Transfer.
Zusammenarbeit und Forschungsdaten organisieren
Die Forschungsgruppe koordiniert die Zusammenarbeit der Projektpartner und organisiert Forschungsdatenmanagement, Datenschutz und Möglichkeiten der wissenschaftlichen Nachnutzung.
Daten und Methoden
- Studien- und Prüfungsordnungen
- Regelextraktion
- Regelklassifizierung
- Messung der Verbindlichkeit
- Indexbildung
- Ergebnisanalyse
Unterschiedliche Datenquellen verbinden
RegelWerk führt Informationen über institutionelle Regeln mit Daten zu Studienentscheidungen und Studienverläufen zusammen. Dazu gehören Zulassungsinformationen der Stiftung für Hochschulzulassung, Studien- und Prüfungsordnungen sowie amtliche Studierenden- und Prüfungsstatistiken.
Ergänzend nutzt die Forschungsgruppe das Studienberechtigtenpanel und die Studierendenbefragung in Deutschland. Diese Befragungen ermöglichen es, auch individuelle Voraussetzungen, Entscheidungsprozesse und die Bewertung der Studiensituation zu berücksichtigen.
Regeln und Perspektiven erfassen
Mit maschineller Textanalyse werden Informationen aus Studien- und Prüfungsordnungen erschlossen und strukturiert. Indikatoren und Indizes sollen unterschiedliche Regelungen vergleichbar machen.
Die Projektbeschreibung sieht außerdem eine Befragung von Studiengangsbeauftragten und Studiengangsleitungen vor. Sie soll erfassen, welche Regeln bestehen, wie sie umgesetzt werden und wie sie sich verändert haben.
Survey-Experimente mit Studierenden ergänzen diese Perspektive: Anhand hypothetischer Prüfungsordnungen werden Präferenzen und die wahrgenommene Verbindlichkeit unterschiedlicher Regeln untersucht.
Wirkungen untersuchen
Für die Analysen werden Unterschiede zwischen Hochschulen und Studiengängen sowie Veränderungen über die Zeit genutzt. Ökonometrische Verfahren, darunter Differenzen-in-Differenzen-Ansätze, sollen helfen, mögliche Wirkungen institutioneller Regeln zu untersuchen.
Dabei werden alternative Erklärungen und methodische Voraussetzungen berücksichtigt. Ein beobachteter Zusammenhang allein belegt noch keine kausale Wirkung.
Steckbrief
Vollständiger Titel:
RegelWerk – Regeln und Verbindlichkeit im Studium: Was bewirken sie?
Laufzeit:
2025–2029
Koordination:
Prof. Dr. Kerstin Schneider, RWI – Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung
Projektpartner:
RWI – Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung, Leibniz Universität Hannover, Deutsches Zentrum für Hochschul- und Wissenschaftsforschung und Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf
Förderung:
Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR)
